Kalendertürchen 1 | Naturpark-Adventskalender

Wintermorgen

Im Moment sieht es bei uns im Naturpark eher herbstlich-grau aus. Dieses Gedicht von Friedrich Georg Jünger verbreitet da gleich richtige Winterstimmung.

Eisiger See

Friedrich Georg Jünger wurde am 1. September 1898 geboren, ganz bei uns in der Nähe: in Hannover. Genau belegt ist es nicht, aber viele sagen, dass der See, den Jünger in seinem Gedicht beschreibt, das Steinhuder Meer ist, da er hier in seiner Kindheit oft mit seinem Vater unterwegs war.

Gedicht: "Wintermorgen"

Wie silbernes Geschirr sich stösst, so klingen
Der Mädchen Stimmen von gefrornen See.
Ich sehe, wie sie sich im Eislauf schwingen.
Ich schüttle mich. Es stäubt vom Pelz der Schnee.

Vermummt im Fuchsfell wiegen sich die schlanken
Anmutigen Gestalten leicht wie Feen, 
Mit Schuhn von Stahl, die auf dem weiten, blanken
Teller von Eis sich unermüdlich drehn.

Der Atem fährt als Rauch von meinem Munde.
Die Luft trägt weit. Die Erde widerhallt.
Elisens Lachen tönt wie eine runde
Glocke von Silber durch den weissen Wald. 

Sämtliche Gedichte, Band 1, Klett-Cotta
von Friedrich Georg Jünger (ca. 1950)