Naturpark Steinhuder Meer

Der Meerbruch - ein Lebensraum im Wandel

Im Westen und Südwesten des Steinhuder Meeres liegt in der Region Hannover und den Landkreisen Nienburg und Schaumburg ein ca. 12 km² großes geschlossenes Grünlandgebiet. Der Steinhuder Meerbach durchfließt als einziger Abfluss des Binnensees diesen Bereich.
Der Meerbruch ist eine großräumige, weite Feuchtwiesenlandschaft, in der auch Erlenbrüche und Hochmoore vorkommen. Neben bewirtschafteten Wiesen und Weiden gibt es auch ungenutzte nasse Sumpfflächen. Derartige durch menschliche Nutzung geprägte Kulturlandschaften waren früher typisch für Norddeutschland.
Sie sind Lebensraum und Brutplatz für besondere Wiesenvogelarten (Brachvogel, Uferschnepfe, Kiebitz, Braunkehlchen) und außerdem als Rastplatz von besonderer Bedeutung für den Vogelzug. Hier finden sich auch zahlreiche seltene Pflanzenarten.

Von der Feuchtwiese zum „Grasacker“

Große Teile des Meerbruchs wurden schon Ende des 19. Jahrhunderts landwirtschaftlich zur Heugewinnung genutzt. Bei der Bewirtschaftung der Naßwiesen mussten Pferde und Menschen breite Fußhölzer als „Schuhe“ tragen, um in dem weichen Boden nicht zu versinken. Der Heutransport fand teilweise auf Schiffen über das Steinhuder Meer statt.
In den fünfziger und sechziger Jahren wurde die gesamte Entwässerung des Gebietes verändert, um eine moderne Landwirtschaft zu ermöglichen. Der Südbach wurde verlängert, der Nordbach verlegt, und etliche Entwässerungsgräben neu angelegt. Die ehemaligen Naßwiesen wurden dadurch deutlich trockener und konnten nun mehrfach gemäht werden. Umbruch, Neueinsaat von Hochleistungsgräsern und verstärkte Düngung machten aus den artenreichen Grünlandflächen Fettwiesen und Weiden oder Grasäcker.
Die typischen Pflanzen der Feuchtwiesen, wie Sumpfdotterblumen, Wiesenschaumkraut, Kuckuckslichtnelke und Binsen verschwanden allmählich.

Der Lebensraum der Wiesenvögel ist in Gefahr

Die typischen Wiesenvogelarten, wie Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Kiebitz und Braunkehlchen, die ihre Nester direkt am Boden in bewirtschafteten Wiesen und Weiden bauen, verlieren ihre angestammten Brutplätze. Durch die Entwässerung mögliche früh ansetzende, intensive landwirtschaftliche Nutzung hat zur Folge, dass ihre Nester zerstört und noch nicht flügge gewordene Jungvögel getötet werden. Zusätzlich verschlechtern sich ihre Lebensbedingungen, weil das Nahrungsangebot in den artenarmen Wiesen und die Stocherfähigkeit des Bodens wegen der Verdichtung immer weiter abnimmt.

Infolge der fortschreitenden Intensivierung der landwirtschaftlichen Bodennutzung ist ein deutlicher Rückgang der charakteristischen Tier- und Pflanzenarten festzustellen. Die Region Hannover  als Träger des Naturparks Steinhuder Meer hat aus diesem Grunde 1988 beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit beantragt, das Projekt „Brut- und Rastgebiet Meerbruch“ in das Förderprogramm des Bundes „Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung – Gewässerrandstreifenprogramm“ aufzunehmen. Dem Antrag wurde entsprochen. Das Projekt wurde 2002 erfolgreich abgeschlossen. 


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