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31.10.2014
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Allgemeines über Moore

Moore - Urlandschaften unserer Erde
Auf der Welt finden sich Moore nur an wenigen Stellen. Sie gehören zu den „Urlandschaften“ unserer Erde. Moore entstanden dort, wo zum überwiegenden Teil des Jahres ein Wasserüberschuss vorhanden ist. Dabei können abgestorbene Pflanzenteile in diesem nassen Milieu nicht vollständig zersetzt werden, so dass sich Torfe bilden.
Zonen intensiver Torfbildung finden sich auf der nördlichen Halbkugel, nämlich in Europa, Westsibirien, im Norden der USA und Kanada sowie in den feuchten Tropen. Die Moore in Europa nehmen etwa 5 % der Gesamtfläche ein.

Hoch- und Niedermoore
E
s werden zwei Typen von Moor unterschieden: Niedermoore entstehen aus verlandeten Seen und  haben Anschluss zum Grundwasser. Sie sind eher nährstoffreich und weisen einen üppigen Pflanzenwuchs auf. Hochmoore hingegen haben keine Verbindung zum Grundwasser und werden durch Niederschlagswasser gespeist. Sie sind sehr nährstoffarm.

Hochmoore

Was ist ein Hochmoor überhaupt?
Hochmoore sind besondere Lebensräume. Sie sind nährstoffarm und bestehen zu 90 % aus Wasser. Nur wenige Tier- und Pflanzenarten haben sich diesen extremen Verhältnissen angepasst. Sie kommen nur im Hochmoor vor.
Die wichtigste Pflanze im Hochmoor ist das Torfmoos. Während die Pflanze oben wächst, sterben die unteren Pflanzenteile ab und werden in der sauren Umgebung nicht zersetzt. Diese Teile der Torfmoose bilden den Torf. Torfbildung ist ein sehr langsamer Prozess. Ein Hochmoor wächst in einem Jahr nur um 1 mm.

Hochmoore in Deutschland
In Deutschland sind die Hochmoore sehr unterschiedlich verteilt. Sie befinden sich besonders in den regenreichen Küstengebieten Norddeutschlands, im Voralpenland und in höheren Lagen der Mittelgebirge. Niedersachsen gehört zu den moorreichsten Gebieten. Hier war nach dem Ende der letzten Eiszeit neben der Waldentwicklung die Moorbildung landschaftsbestimmend. Von den ursprünglich 2.500 km² sind heute jedoch nur noch 10 % in naturnahem Zustand vorhanden

Hochmoore - Sauer wie Zitronensaft
Eine typische Eigenschaft der Hochmoore ist ihr hoher Säuregehalt mit einem PH-Wert von ca. 3 – 4, das ist so sauer wie Zitronensaft. Moorwasser ist außerdem sauerstoffarm. Hier leben kaum Bakterien. Abgestorbene Pflanzenteile werden deshalb nicht durch Fäulnis abgebaut, sondern konserviert.

Die „Urlandschaft Moor“ droht von unserer Erde zu verschwinden

Naturnahe Moore sind, wie das Wattenmeer und die Hochgebirge, vom Menschen relativ unbeeinflusste Landschaften: „Urlandschaften“. Durch menschliche Nutzung, wie den Torfabbau und die Landwirtschaft verbunden mit Entwässerungsmaßnahmen, sind die Moore heute in ihrem Bestand stark bedroht.
Torf ist ein wertvoller Rohstoff geworden und findet als Brenntorf und Düngetorf oder als Pflanzensubstrat, z. B. in Blumenerde, Verwendung. In Osteuropa werden heute noch riesige Hochmoorbereiche industriell abgetorft, um Brennmaterial zu erhalten.

Die Nutzung der Hochmoore durch den Menschen

Die Moornutzung hat eine sehr lange Geschichte. Schon seit etwa 900 n. Chr. entnehmen Menschen aus den Mooren im Handtorfstichverfahren Brenntorf. Im 17. und 18. Jhrd. wurden im nordwestlichen Deutschland Moore systematisch kultiviert, um landwirtschaftliche Nutzflächen zu gewinnen (z. B. Fehnkultur) und die Bereiche zu besiedeln. Durch den maschinellen Torfabbau beschleunigte sich im 20. Jhrd. nochmals erheblich der Verlust an intakten Hochmooren.
Voraussetzung für eine wirtschaftliche Nutzung der Moore ist die Entwässerung. Dazu werden tiefe Gräben und Drainagen angelegt. Weil dem Moorkörper dadurch das für das Wachstum lebensnotwendige Regenwasser entzogen wird, sterben die torfbildenden wasserspeichernden Moose ab. Das Hochmoor trocknet aus, Bäume und Sträucher verdrängen die typischen Moorpflanzen. Landwirtschaftliche Nutzung führt darüber hinaus zur Zersetzung des Moorbodens

"Das Tote Moor soll leben" - (EXPO-)Projekt der Region Hannover

Das Tote Moor zwischen dem Steinhuder Meer und der Stadt Neustadt a. Rbge. gelegen, ist durch Entwässerung und anschließenden industriellen Torfabbau erheblich geschädigt. Die Region Hannover  hat es sich zum Ziel gesetzt, auf der Grundlage eines Entwicklungsplanes für den Gesamtbereich des Moores Voraussetzungen zu schaffen, damit das Moor nach erfolgter Abtorfung wieder wachsen kann.

Hochmoor-Regeneration
Die Wiederherstellung verlorengegangener natürlicher Voraussetzungen für die hochmoortypische Pflanzen- und Tierwelt nennt man Regeneration. Um dies zu ermöglichen, müssen zwei Rahmenbedingungen erfüllt sein. Nährstoffarme Verhältnisse und Wiedervernässung durch Niederschlagswasser. Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass eine genügend dicke Stauschicht aus Hochmoortorf nach der Abtorfung im Moor verbleibt, damit das Wasser gespeichert werden kann. Durch Wachstum von Torfmoosen wird dann langfristig wieder Torf gebildet und das Moor beginnt wieder zu wachsen.

Ein ehrgeiziger Versuch auf 200 ha Hochmoor
Eine etwa 200 ha große Fläche am Ostrand des Toten Moores befindet sich nach einer Schenkung durch die Erbengemeinschaft Sack-Dyckerhoff im Eigentum des Landkreises Hannover. Sie erfüllt mit ihren unterschiedlich strukturierten Bereichen die Voraussetzungen für eine Regeneration. Abschnittsweise werden dort seit 1993 auf der Grundlage eines durch die Bezirksregierung Hannover erstellten Gutachtens Maßnahmen zur Hochmoorregeneration durchgeführt.

Es gibt viel zu tun
Die regions eigenen Flächen umfassen drei unterschiedliche Bereiche:

  • Der Barloh wurde bis 1991 industriell abgetorft. Nach Vorgaben des Landkreises Hannover (heute Region Hannover)  und Plänen der torfabbauenden Firma wurde anschließend die Rekultivierung eingeleitet.
  • Das Stiftsmoor ist eine bis 1970 abgetorfte Fläche, die seit dieser Zeit sich selbst überlassen und stark mit Gehölzen bewachsen ist.
  • Das Neustädter Moor ist ein entwässerter Hochmoorbereich, der aufgrund einer Übereinkunft mit der Abbaufirma nicht mehr abgetorft wird.

Seit Februar 1993 läßt die Region Hannover  überwiegend durch Mitarbeiter aus den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Kreisvolkshochschule auf seinen Flächen im Winter Gehölz entfernen, Dämme ziehen und Staue bauen.

Eine Birke verbraucht 100 Liter Wasser
Das vollständige Entfernen der störenden Gehölze von einer Fläche nennt man „Entkusseln“. Im Stiftsmoor war dieses notwendig für die Regeneration, weil die belaubten Bäume dem Torfkörper sehr viel Wasser entzogen. Eine große Birke verbraucht  immerhin 100 Liter Wasser pro Tag. Das ist eine ganze Badewanne voll. Gleichzeitig entfällt nach der Entkusselung die Nährstoffzufuhr über das sich zersetzende Laub. In zahlreichen Entwässerungsgräben und im Randbereich wurden über 50 Stauanlagen eingebaut, um das für das Moorwachstum wichtige Niederschlagswasser in der Fläche zu halten. Im Barloh wurde noch durch die abbauende Firma der entwässernde Ringgraben sowie die zahlreichen Schlitzgräben verschlossen, damit sich Regenwasser wieder auf der Fläche sammeln konnte, um den Torf nachhaltig zu vernässen. Die Randböschungen wurden abgeflacht, ein Torfdamm wurde gezogen und die Fläche damit in zwei Bereichen mit unterschiedlichen Wasserständen unterteilt.

Die Vernässung zeigt heute deutliche Erfolge

Die Regenerationsmaßnahmen der Region Hannover erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Hannover und der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer. Seit Beginn der Maßnahmen wurden bis heute immer wieder zusätzliche Staue und Dämme im Stiftsmoor errichtet, der ehemalige Torfabfuhrdamm im Barloh wurde zurückgebaut,  mit wasserführenden Senken versehen und weitere Entwässerungsgräben wurden verfüllt.
Die zunehmende Vernässung im Stiftsmoor hat zur Folge, dass auch in den nicht entkusselten Flächen Birken durch die höheren Wasserstände absterben. In den gehölzfrei hergerichteten Bereichen verdrängt hochmoortypische Vegetation aus Torfmoos, Wollgras, Rosmarinheide, Glockenheide und Sonnentau das früher dort weit verbreitete Pfeifengras.
Auch große Teile des Barlohs sind inzwischen wieder von Wollgräsern und Torfmoos bewachsen. Durch Umsiedlung in das Gebiet gelangten Spezialisten, wie der Sonnentau, breiten sich zusehends aus. Auch nicht hochmoortypische Vogelarten, wie Kiebitz, Graugans, Flussregenpfeifer und Krickenten, nutzen den Bereich mittlerweile als ungestörten Brutplatz.

Die „Urlandschaft Moor“ kann gerettet werden
Aufgrund der positiven Entwicklung bei der Hochmoorregeneration ist die Region Hannover überzeugt, dass sich langfristig das gesamte Tote Moor auch nach erfolgtem Torfabbau wieder zu einem lebenden wachsenden Hochmoor entwickeln wird.
Am Beispiel des „Toten Moores“ wird der exemplarische Nachweis erbracht, dass auch bei industriell abgetorften Hochmoorflächen Techniken entwickelt werden können, negative Eingriffe in den Naturhaushalt wieder auszugleichen oder für verlorengegangene Qualitäten Ersatz zu schaffen. Ziel ist es, den Besuchern aus aller Welt aufzuzeigen, dass die daraus gewonnenen Erkenntnisse auch in ihren Ländern umgesetzt werden können und somit die „Urlandschaft Moor“ in ihrem Bestand nachhaltig gesichert werden kann.

Kommen Sie mit und entdecken Sie mit uns die Natur...

Der Naturpark Steinhuder Meer ist für seine außergewöhnliche Natur bekannt – verschiedenste Lebensräume finden sich hier mit ihrer besonderen und oft seltenen Pflanzen- und Tierwelt nah beieinander. Auf geführten Wanderungen bietet der Naturpark Steinhuder Meer seinen Besuchern neue und ungewohnte Naturerlebnisse. Gemeinsam mit erfahrenen Naturführern können sie den Naturpark zu unterschiedlichen Jahreszeiten durchstreifen – zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Naturkundlich Interessierte aller Altersgruppen, Familien oder Schulklassen, wir bringen ihnen bezaubernde Vogelstimmenkonzerte, das Leben im Moor, die Bewohner des Meerbruchs und vieles mehr nahe.

Erkundigen sie sich hierzu im Infozentrum Steinhude über unser Jahresprogramm „Steinhuder Meer – Naturerlebnisse“ und weitere Angebote

Region Hannover 2010